Preisfalle Küchenstudio: Was kostet eine Küche wirklich?

Du willst eine neue Küche. Im Studio glänzt alles, die „-50 % Aktion“ läuft zufällig heute, der Berater rechnet flink. Und am Ende? Zahlen viele deutlich mehr als geplant. Hier ist die nüchterne Wahrheit - und wie du dich schützt.

Hier ist die nüchterne Wahrheit - und wie du dich schützt.

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an (wirklich)

Preise hängen an drei Dingen: Qualität der Möbel, Gerätepaket und Montage/Anschlüsse. Dazu kommen Planungsfehler und Vertragsklauseln, die später teuer werden. „Schnäppchen“ gibt es, aber selten ohne Haken.

Realistische Ausgangslage: Beispielbudget 15.000 €

Was ist mit 15.000 € machbar - inklusive Geräte und Montage? Eine ehrliche, grobe Orientierung für eine L-Küche (ca. 3,5 × 2,5 m) ohne Insel:

  • Möbel (Korpus/Fronten/Innenleben): 6.000-7.000 €
  • Arbeitsplatte (HPL/Quarz/Keramik): 1.200-3.000 €
  • Geräte (Backofen, Kochfeld, Kühl/Gefrier, GSP, Haube): 4.000-5.500 €
  • Spüle/Armatur/Zubehör: 400-900 €
  • Montage: 1.200-2.000 €
  • Lieferung/Logistik/Entsorgung: 200-500 €
  • Elektro/Installation (bauseits): 300-1.000 € (häufig nicht im Studio-Angebot)

Ja, das sprengt je nach Materialwahl schnell die 15k. Und genau dort lauern die Preisfallen.

Die 7 größten Kostentreiber (und wie du sie entschärfst)

1) „Rabatt-Zauberei“

-40 %, -50 %, -57 % - Listenpreise sind Fantasiewerte. Entscheidend ist der Endpreis mit klarer Leistungsbeschreibung.


Tipp: Lass dir Bruttopreise pro Position geben (Schrank, Platte, Montage). Frage nach der Ohne-Rabatt-Summe und der Netto-Endsumme - und vergleiche mindestens zwei Angebote auf identische Ausstattung.

2) Gerätepakete, die nicht passen

„Setpreis“ klingt gut - bis das Kochfeld zu klein ist oder die Haube zu laut.
Marken-Realität: Solide Mittelklasse: Bosch/Siemens/Neff. Leiser, langlebiger, teurer: Miele. Preis-/Leistung bei Kühl/Gefrier: oft Bosch/Siemens; bei Dunstabzug lohnt Blick auf Berbel/Novy.

Tipp: Prüfe Lautstärke (dB), Energieeffizienz, Kochfeldbreite (60/80/90 cm) und Haubenart (Umluft vs. Abluft).

3) Fronten & Kanten

Melamin ist günstig, Lack teurer, Fenix/HPL robust, Folie heikel bei Feuchte/Hitze. Kantenverarbeitung (Laserkante!) beeinflusst Langlebigkeit.

Tipp: Entscheide nach Nutzung (Kinder? Viel kochen?) - nicht nach Katalogglanz.

4) Arbeitsplatte: Schönheit kostet - und wiegt

HPL: günstig, robust. Quarz/Granit: edel, teurer, schwerer (Montage!). Keramik: hitzefest, sehr teuer, heikel bei Stoßkanten.

Tipp: Kalkuliere Ausschnitte, Kantenbearbeitung und Wandabschluss separat. Das sind versteckte Aufschläge.

5) Innenorganisation & „nice to have“

Apothekerschrank, LeMans, Glaszargen, Echtholzschübe - summiert sich.

Tipp: Stauraum zuerst, Gimmicks später. Manches lässt sich nachrüsten.

6) Montage & bauseitige Leistungen

Im Angebot steht „Montage inklusive“ - aber Anschluss Elektro/Wasser fast nie.
Tipp: Kläre: Nivellierung, Ausschnitte vor Ort, Silikonfugen, Geräteeinbau, Entsorgung Verpackung/Altgeräte. Für Elektro/Installateur extra 300-1.000 € einplanen.

7) Änderungen nach Bestellung

Jede Planänderung nach Unterschrift = Nachtrag.

Tipp: Plane sauber, prüfe Aufmaß doppelt (Fensterflügel, Heizkörper, Schrägen, Anschlusshöhen). Fehler hier fressen dein Budget.

Must-Have: Transparente Angebotsstruktur

Verlange Positionsliste statt „Komplettpreis“:

  • Möbel: Stückliste mit Breiten/Höhen/Tiefen, Frontmaterial, Korpusfarbe, Kantenart.
  • Geräte: konkrete Modellnummern.
  • Platte: Material, Stärke, Laufmeter, Ausschnitte, Kanten.
  • Montage: Leistungsumfang klar benennen.
  • Logistik: Lieferung, Trageservice in Etagen, Entsorgung.
    So kannst du Angebote vergleichbar machen - erst dann verhandeln.

Mini-Kalkulation: 15.000 € sinnvoll verteilen

  • Möbel/Innenleben: 6.500 € - solide Qualität, keine Exoten.
  • Arbeitsplatte HPL mit Nischenrückwand: 1.600 €
  • Geräte-Mix: 5.000 € (z. B. Siemens iQ700 Backofen, 80 cm Induktionsfeld, leiser Geschirrspüler 42 dB, Kühl/Gefrier, Umluft-Haube mit gutem Filter)
  • Spüle/Armatur: 700 € (Edelstahlbecken + Markenarmatur)
  • Montage/Logistik: 1.200 €
  • Reserve: 1.000 € (Elektro/Installateur, Kleinmaterial, Überraschungen)
    Ergebnis: Alltagsrobust, leise Geräte, keine Luxus-Show, aber null Reue.

Recht & Vertrag: Die drei kritischen Punkte

  1. Leistungsbeschreibung als Vertragsbestandteil: Pläne (Maße!), Stückliste, Gerätetypen, Montagescope anhängen.
  2. Zahlungsplan: Keine hohe Vorkasse. Üblich: Anzahlung, Rest nach mängelfreier Montage/Abnahme.
  3. Lieferfristen & Verzug: Kalenderwoche reicht nicht. Fixtermine mit Puffer, Konventionalstrafe ist selten drin – aber klare Kommunikationspflichten schon.

Abnahme-Tipp: Protokoll mit Mängeln, Frist zur Nachbesserung setzen. Nichts „unter Vorbehalt“ zahlen, was nicht montiert/leistungsfähig ist.

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Autor : Baukatastrophen.de
Kategorie: Bauwirtschaft & Politik

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